Süße Getränke und Magenkrebs: Was eine neue Studie wirklich zeigt

Eine aktuelle Langzeitstudie findet einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Konsum zuckerhaltiger Getränke und einem höheren Magenkrebsrisiko. Das klingt zunächst alarmierend. Ein genauer Blick auf die Daten zeigt jedoch: Die Ergebnisse sind interessant – aber kein Grund zur Panik. Vor allem sind sie ein weiteres Argument dafür, Zuckergetränke nicht zum täglichen Durstlöscher zu machen.

Cola, Limonade, gesüßte Eistees oder Sportgetränke gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Dass ein hoher Konsum solcher Getränke Übergewicht, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes begünstigen kann, ist seit Langem gut belegt. Nun liefert eine im Fachjournal Gastro Hep Advances veröffentlichte prospektive Kohortenstudie einen weiteren Hinweis: Ein sehr regelmäßiger Konsum könnte auch mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs verbunden sein.

Was wurde untersucht?

Die Wissenschaftler analysierten Daten von 112.284 Frauen und Männern aus zwei großen amerikanischen Langzeitstudien, der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study. Die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer wurden über Jahrzehnte wiederholt erfasst. Insgesamt traten während mehr als drei Millionen Personenjahren Beobachtungszeit 278 Fälle eines Magenadenokarzinoms auf. citeturn329677view1

Das auffälligste Ergebnis: Menschen, die mehr als eine Portion eines zuckergesüßten Getränks pro Tag konsumierten, hatten rechnerisch ein etwa 2,45-fach höheres relatives Risiko für Magenkrebs als Personen, die solche Getränke seltener als einmal pro Monat tranken. citeturn329677view1

Eine Zahl, die zunächst groß klingt. Für die richtige Einordnung lohnt sich jedoch der Blick auf das absolute Risiko: In der Gruppe mit dem höchsten Konsum traten ungefähr 16 Magenkrebsfälle pro 100.000 Personenjahre auf, in der Vergleichsgruppe etwa acht Fälle pro 100.000 Personenjahre. citeturn329677view1

Das ist ein wichtiger Unterschied: Ein erhöhtes relatives Risiko bedeutet nicht, dass jeder Mensch, der regelmäßig Limonade trinkt, ein hohes persönliches Erkrankungsrisiko hat.

Assoziation ist noch keine Ursache

Genau hier ist wissenschaftliche Gelassenheit gefragt. Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht beweisen, dass die zuckerhaltigen Getränke selbst den Krebs verursacht haben.

Die Forscher berücksichtigten zahlreiche mögliche Einflussfaktoren. Trotzdem können sogenannte Confounder nie vollständig ausgeschlossen werden. Hinzu kommt: Für den wichtigen Magenkrebs-Risikofaktor Helicobacter pylori standen nur bei einem kleinen Teil der Teilnehmer entsprechende Daten zur Verfügung. Auch Informationen über Tumorlokalisation, familiäre Vorbelastung oder vorausgegangene Magenspiegelungen waren begrenzt.

Helicobacter pylori gehört weiterhin zu den wesentlich besser belegten Risikofaktoren für Magenkrebs. Auch Rauchen, bestimmte familiäre beziehungsweise genetische Faktoren sowie eine Ernährung mit vielen stark gesalzenen, geräucherten oder schlecht konservierten Lebensmitteln können das Risiko erhöhen.

Welche Rolle könnte der Zucker spielen?

Interessanterweise zeigte sich in der Studie auch ein Zusammenhang zwischen einer höheren gesamten Fruktoseaufnahme und Magenkrebs. Welche biologischen Mechanismen dahinterstehen könnten, ist allerdings noch offen.

Diskutiert werden unter anderem Stoffwechselwege über Gewichtszunahme und Insulinresistenz sowie chronische Entzündungsprozesse und Veränderungen des Darmmikrobioms. Das sind derzeit plausible Hypothesen – noch keine bewiesenen Mechanismen für die Entstehung von Magenkrebs. citeturn329677view1

Unabhängig von dieser neuen Untersuchung gibt es allerdings bereits überzeugende Evidenz dafür, dass regelmäßig konsumierte zuckergesüßte Getränke Gewichtszunahme sowie Übergewicht und Adipositas fördern können. Ein erhöhtes Körpergewicht wiederum ist mit einem höheren Risiko für verschiedene Krebsarten verbunden. Der World Cancer Research Fund empfiehlt deshalb bereits seit Längerem, zuckergesüßte Getränke möglichst zu begrenzen und überwiegend Wasser oder ungesüßte Getränke zu trinken.

Und was ist mit Light- und Zero-Getränken?

Hier liefert die neue Studie einen interessanten Befund: Für künstlich gesüßte Getränke wurde kein vergleichbarer Zusammenhang mit Magenkrebs gefunden.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Light-Getränke deshalb als Gesundheitsgetränk empfohlen werden sollten. Auch der World Cancer Research Fund sieht derzeit keine starke Evidenz dafür, dass künstlich gesüßte Getränke Krebs verursachen, empfiehlt als Standardgetränke aber weiterhin Wasser sowie ungesüßten Tee oder Kaffee.

Die WHO empfiehlt grundsätzlich, freie Zucker auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen – möglichst sogar noch stärker.

FeelGood Health Fazit

Die neue Untersuchung ist ein interessanter Baustein in der Ernährungs- und Krebspräventionsforschung – aber noch kein Beweis für einen direkten ursächlichen Zusammenhang zwischen Softdrinks und Magenkrebs.

Sie bestätigt vielmehr eine Empfehlung, die auch aus anderen gesundheitlichen Gründen sinnvoll ist:

Zuckerhaltige Getränke sollten Genussmittel und nicht tägliche Flüssigkeitsquelle sein.

Ein Glas Limonade beim Sommerabend muss deshalb niemandem den Genuss verderben. Entscheidend ist das Muster über Monate und Jahre. Für den Alltag bleiben Wasser, Mineralwasser, ungesüßte Tees oder Kaffee die bessere Basis.

Und genau darin liegt vielleicht die angenehmste Form von Prävention: Nicht jedes Lebensmittel braucht ein Verbot. Gesundheit entsteht vor allem aus den vielen kleinen Entscheidungen, die wir regelmäßig treffen.

Die Studie in Zahlen

  • 112.284 Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • 278 dokumentierte Fälle von Magenadenokarzinom

  • mehr als eine Portion Zuckergetränk täglich: etwa 2,45-fach höheres relatives Risiko gegenüber weniger als einer Portion pro Monat

  • absolutes Auftreten: rund 16 versus 8 Fälle pro 100.000 Personenjahre

  • bei künstlich gesüßten Getränken: kein entsprechender Zusammenhang beobachtet

  • Studiendesign: prospektive Kohortenstudie – daher keine Beweisführung für Kausalität

Originalbeitrag: Deutsches Ärzteblatt, 21. August 2026
Zum Artikel im Deutschen Ärzteblatt

Originalstudie: Gweon TG et al. Association between sugar-sweetened and artificially sweetened beverage intake and gastric cancer incidence. Gastro Hep Advances, 2026. DOI: 10.1016/j.gastha.2026.101097.
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